Zu den Delegierten sprachen zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter internationaler Organisationen sowie südafrikanische Politikerinnen und Politiker - unter ihnen der Vizepräsident der Republik Südafrika Kgalema Motlanthe, der Vorsitzende des südafrikanischen Gewerkschaftsbunds (COSATU) Dlamini S-Dumo, die Generalsekretärin des Weltgewerkschaftsbundes (ITUC) Sharan Burrow und der stellvertretende Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) Guy Ryder.
Gute Bildung für die Zukunft - "Building the Future through Quality Education" - so lautete das Motto des Kongresses und des bildungspolitischen Positionspapiers, das die Delegierten am Samstag verabschiedeten. In ihrem Positionspapier unterstreicht die Bildungsinternationale einerseits den Charakter von Bildung als Menschenrecht und öffentlichem Gut, andererseits betont sie die Notwendigkeit einer Verbesserung der Qualität der Bildung in allen Bildungsbereichen von der frühkindlichen Bildung bis zur Hochschulbildung. Das Papier enthält außerdem ein klares Bekenntnis der Bildungsgewerkschaften zur Gebührenfreiheit des Hochschulstudiums. Die ursprünglich im Leitantrag enthaltene Aussage, dass Gebühren, soweit sie erhoben werden, maximal 20 Prozent der Kosten des Studiums umfassen dürfen, wurde zu Gunsten einer klaren Absage an Studiengebühren ohne Wenn und Aber gestrichen. Dafür hatten sich in der Debatte mehrere Hochschulgewerkschaften und die deutsche Bildungsgewerkschaft GEW erfolgreich stark gemacht.
Zentrale Bedeutung für die Hochschularbeit der Bildungsinternationale hat die Resolution für eine nachhaltige Finanzierung der öffentlichen Bildung in der Wirtschaftskrise ("Sustained Funding of Public Education in the Midst of the Economic Crisis"), die der Kongress am Montag verabschiedete. Der Kongress warnte die Regierungen davor, die Finanz- und Wirtschaftskrise zum Anlass für eine Privatisierung und neoliberale Umstrukturierung der Hochschulen zu nehmen, und beauftragte den Vorstand der Bildungsinternationale, eine globale Kampagne zum Schutz öffentlicher Hochschulbildung und Forschung vor den Auswirkungen der Krise vorzubereiten.
Auf Antrag der britischen Hochschulgewerkschaft UCU verabschiedete der Weltkongress eine Resolution, auf deren Grundlage die Bildungsgewerkschaften gegen den Klimawandel mobilisieren werden ("Education Unions Mobilising on Climate Change"), u.a. durch die Verankerung der mit dem Klimawandel verbundenen Herausforderungen in Bildungs-Curricula und Forschungsprogrammen. Auf Antrag der GEW wurde die Resolution um einen Absatz ergänzt, in dem die Bildungsinternationale alle Versuche zurückweist, die Atomkraft als saubere Alternative zur mit CO2-Emissionen verbundenen Energieproduktion darzustellen. "Tschernobyl und Fukushima machten klar: Atomenergie ist weder sicher noch nachhaltig und sollte durch erneuerbare Energien ersetzt werden", heißt es in dem vom Kongress angenommenen Änderungsantrag der GEW.
Zur Vorsitzenden der Bildungsinternationale wählte der Kongress Susan Hopgood von der australischen Bildungsgewerkschaft AUE, die das Amt bisher nach Ausscheiden ihres Vorgängers kommissarisch ausgeübt hatte. Zum Generalsekretär wurde erneut Fred van Leeuwen von der niederländischen Bildungsgewerkschaft AOb bestellt.
Die GEW ist eine der rund 400 Mitgliedsgewerkschaften der Bildungsinternationale, die weltweit rund 30 Millionen Lehrerinnen und Lehrer, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Bildungsarbeiterinnen und Bildungsarbeiter vertritt. Beim 6. Weltkongress in Kapstadt wurde die GEW durch 17 Delegierte vertreten. Der Weltkongress findet alle vier Jahre statt.
Weitere Informationen zum 6. Weltkongress der Bildungsinternationale sind im Internet abrufbar. Dort werden in Kürze auch alle vom Kongress verabschiedeten Resolutionen eingestellt.