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Lehren und Lernen Informationen zur Fortbildung:
Neueste Ergebnisse der Lernforschung sowie internationale Untersuchungen haben gezeigt, dass viele Lehrer noch nicht ausreichend qualifiziert sind, um individuelle Lernprozesse in heterogenen Lerngruppen zu fördern und professionell zu begleiten. Mit der Fortbildung soll verstärkt verdeutlicht werden, dass es angesichts des breiten Spektrums von Fähigkeiten und Lernvoraussetzungen bei Jungen und Mädchen, Angehörigen unterschiedlicher Ethnien, Kindern unterschiedlicher sozialer Herkunft verschiedene Wege zum Ziel möglichst qualifizierter Bildungsabschlüsse und der Befähigung zu selbstständigem und lebenslangem Lernen gibt.
Die GEW hat diese Fortbildungsmodule in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern im Rahmen des EU-MAIL Projekts konzipiert. Dazu haben sich Lehreraus- und -fortbildungsinstitute, Universitäten, Schulen und Schulaufsichtsbehörden aus fünf Ländern (Deutschland, England, Finnland, Norwegen und Schweden) zusammengefunden, um über drei Jahre an der systematischen Erforschung förderlicher Faktoren für erfolgreiche individualisierende Lernprozesse und der Entwicklung von Lehreraus- und -fortbildungsbausteinen sowie deren Erprobung gemeinsam zu arbeiten. Alle Bausteine wurden im Rahmen des Projekts erprobt und evaluiert.
Fortbildungsprogramm:
Das Fortbildungsprogramm umfasst zur Zeit sechs Module:
Zielgruppe:
Die Bausteine werden für die kollegiumsinterne Fortbildung an Schulen angeboten.
Dauer:
Die Bausteine sind jeweils für einen Zeitraum von drei bis vier Stunden konzipiert. Eine Schule kann je nach Ausgangssituation und Interessenslage zwei oder mehr Bausteine auswählen.
Planung der Fortbildung:
Verbunden mit der Entscheidung für zwei oder mehr Bausteine ist ein ausführliches Vorgespräch mindestens mit allen Mitgliedern der Schulleitung, wenn möglich mit dem gesamten Kollegium, z. B. im Rahmen einer Lehrerkonferenz. Dieses Vorgespräch ist wichtig für die Auswahl und ggf. den Zuschnitt der Bausteine auf die Bedürfnisse des Kollegiums.
Bei der Arbeit mit jedem Baustein im Rahmen einer kollegiumsinternen Fortbildung werden die Konsequenzen für das Kollegium / die Schule immer mit thematisiert, da wir möchten, dass die Fortbildung nicht folgenlos bleibt. Jede Fortbildung wird evaluiert.
Termine:
Die Termine zu der Fortbildung finden Sie auf der Internetseite des jeweiligen Landesverbandes.
Referentin im Organisationsbereich Schule:
Martina Schmerr
Tel.: 069/78973-322
Für Rückfragen bezüglich der Fortbildungsbausteine:
Forum Eltern und Schule
Rainer Kopp
Tel. 0231/48011
// www.weiterbildung-fuer-schulen.de
Ziel dieses Bausteins ist es, einen Einstieg in die Frage des Umgangs mit heterogenen Lerngruppen zu schaffen.
Ausgehend von der Sammlung von Merkmalen heterogener Gruppen wird eine Begriffsbestimmung mit den Teilnehmenden versucht. Anschließend wird anhand von Film- und Textbeispielen der Umgang mit Heterogenität in skandinavischen Schulen vorgestellt und bearbeitet. Schließlich wird ein Meinungsbild unter den Teilnehmenden erstellt, um eine Grundlage für einen produktiveren Umgang mit Heterogenität zu schaffen.
Ziel dieses Bausteins ist es, mittels individualisierter Arbeitsformen deutlich zu machen, worin die Stärken von Individualisierung liegen.
Mit der Methode des „Stationenlernens“ werden 15 unterschiedliche Aspekte des Themas individuell erarbeitet und mit den Mit-Teilnehmenden ausgetauscht (u. a. Charakterisierung individualisierten Lernens, Lehrerrolle, die eigene Einstellung, Ausgangsbedingungen, Entwicklungsfelder usw.). Die Arbeitsergebnisse der Teilnehmenden werden entlang der Aspekte Unterricht, Lehrer-Schüler-Verhältnis und Schulorganisation diskutiert.
Ein EU-MAIL-Film über Schule in Finnland und eine Diskussion schließen diesen Baustein ab.
Im Zusammenhang mit der Diskussion um „lebenslanges Lernen“, die zur Zeit überwiegend noch in der Erwachsenenbildung geführt wird, ist es unstrittig, dass Lernende zur Entwicklung ihrer Lernkompetenz sich selbst einschätzen können müssen. Was kann ich (noch nicht)? – Was will ich als nächstes Lernen? – Wie kann ich es Lernen? – Wo sind meine Stärken, meine Schwächen? usw.
In diesem Baustein wird auf der Grundlage von Ergebnissen aus der kognitionspsychologischen und gehirnphysiologischen Forschung wie auch auf der Grundlage von Beispielen aus Finnland und Schweden die Bedeutung der Selbstbeurteilung für das selbstständige Lernen erörtert.
Im Anschluss daran werden Selbstbeurteilungsinstrumente, Fragebögen, Checklisten für unterschiedliche Lernsituationen und Fächer vorgestellt und von den Teilnehmenden bearbeitet. Abschließend werden Einsatzmöglichkeiten für den eigenen Unterricht und begleitende Maßnahmen zur Unterstützung der Lernenden bei der Entwicklung ihrer Selbstbeurteilungsfähigkeiten sowie ein gemeinsames Vorgehen besprochen.
Ein Portfolio ist eine zweckgerichtete, zielgerichtete und exemplarische Sammlung von Schülerarbeiten. Es dient der Dokumentation des indivdiuellen Lern-, Leistungs- und Entwicklungsprozesses oder -standes eines Lernenden über einen längeren Zeitraum.
Ausgehend von Beispielen aus Schweden, Finnland und Norwegen wird das Portfolio eingeführt und geklärt, was darunter für die Schule zu verstehen ist. Im Anschluss daran werden die Teilnehmenden aufgefordert, zunächst in Einzelarbeit und anschließend in Gruppen ein kleines Portfoliokonzept zu erstellen.
Das Zusammenspiel von Lehrendem und Lernendem ist für den Lernprozess von entscheidender Bedeutung, und dabei spielt der Lehrende einen gewichtigen Part. Jenseits von methodisch-didaktischen Angeboten beeinflussen seine Erwartungen an und seine Haltung gegenüber dem Lernenden den Lernprozess erheblich. Die Leitfrage dieses Bausteins ist „Was befördert produktive Lernsituationen für jeden einzelnen Lernenden“.
Der Einstieg erfolgt über Fotos von Lernprozessen und die darin zum Ausdruck gebrachte Interaktionen. Nach der Methode „Think – Pair – Share“ reflektieren die Teilnehmenden die Bedeutung der zum Ausdruck gebrachten Interaktionen für den Lernprozess.
Anschließend arbeiten die Teilnehmenden in Gruppen mit einem Anforderungsprofil einer englischen Schule an eine „gute Stunde“. Ziel ist es dabei, die darin enthaltenenen Interaktionsprinzipien herauszuarbeiten und sie auf dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen zu berurteilen.
Nach einem Austausch über die Ergebnisse der Gruppenarbeit wird das „englische Beispiel“ mit Filmausschnitten aus Finnland und Schweden kontrastiert. Abschließend werden mit der Methode „Learning Café“ Konsequenzen für die eigene Arbeit herausgearbeitet.
Das alte Sprichwort „Wie es in den Wald hineinschallt, so schallt es heraus“ trifft nach kognitionspsychologischen und gehirnphysiologischen Forschungsergebnissen auch auf das Lernen bzw. auf Schule im Allgemeinen zu. Kindern, denen nichts zugetraut wird, denen im Gegenteil Dummheit und Faulheit unterstellt wird, verhalten sich in der Regel auch so.
Die Erfahrung, dass es sich anders herum genauso verhält, haben Schulen in Finnland und Schweden in den letzten Jahrzehnten gemacht. „Jedes Kind will lernen“ – „Niemand darf beschämt werden“ – „Den Lernenden als Partner behandeln“ sind praktizierte Regeln in diesen Schulen. Die Ergebnisse des EU-MAIL-Projektes deuten darauf hin, dass diese Vertrauenskultur weit mehr als methodisch-didaktische Arrangements die Lern- und Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler in nordischen Schulen fördert. Dabei ist diese Vertrauenskultur nicht auf das Verhältnis gegenüber den Lernenden beschränkt. Auch das Verhältnis zwischen Schulleitung und Kollegium, zwischen Bildungsministerium bzw. Kommune und Schule ist von dieser Kultur geprägt.
Dieser Baustein zielt darauf ab, die Bedeutung von Vertrauen und Achtung im Lernprozess deutlich zu machen und praktische Konsequenzen für die Entwicklung einer Vertrauenskultur an der eigenen Schule zu entwickeln. Ausgangspunkt dabei sind die persönlichen Erfahrungen der Teilnehmenden mit dem Vorhandensein bzw. Fehlen von Vertrauen an ihrer Schule und den Auswirkungen auf sie.
Anhand von kurzen Texten und Filmausschnitten wird die Praxis der Vertrauenskultur an schwedischen und finnischen Schulen vermittelt. Dabei wird Vertrauen auf den unterschiedlichen Ebenen System, Interaktion und Individuum thematisiert.
Bei der Entwicklung der Bausteine wurde davon ausgegangen, dass sich aufgrund der Unterschiedlichkeit der Rahmenbedingungen in den Projektländern Modelle nicht eins zu eins übertragen lassen. Vielmehr geht es in den Bausteinen darum, die Beispiele anderer Länder als Anregung für die Veränderung der eigenen Praxis zu nehmen. Entsprechend spielt die Frage der Konsequenzen für den eigenen Alltag, die Frage der Umsetzung in jedem der Bausteine eine besondere Rolle. Im Hinblick auf das methodisch-didaktische Arrangement der Bausteine und auf die sich darin ausdrückende Haltung gegenüber den Teilnehmenden haben wir versucht, unsere Lehren, die wir im Hinblick auf individualisierendes Lernen aus den anderen Ländern gezogen haben, anzuwenden.
An der Konzeptionierung, haben mitgewirkt (in Klammern der deutsche Partner):
Dr. Katrin Höhmann (Institut für Schulentwicklung, Universität Dortmund)
Heidemarie Schäfers (Bezirksregierung Düsseldorf)
Heide Koehler (Forum Eltern und Schule)
Willi Breuer (Gesamtschule an der Erft, Neuss)
Rainer Kopp (Forum Eltern und Schule)
Michael Frowein (Fritz-Steinhoff Gesamtschule Hagen)
Brigitte Schumann (Bildungsjournalistin)
Nadine Drüke (Forum Eltern und Schule)
Martina Schmerr (GEW Hauptvorstand)
Prof. Dr. Anne Ratzki (Universität Paderborn und Team Institut)
Zwei weitere Bausteine sind in Arbeit, die wesentliche Ergebnisse der Projektarbeit betreffen:
Individueller Lernentwicklungsplan
Arbeitsplatz Schule