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Qualität der Lehre

Die Bachelor- und Masterstudiengänge können eine sinnvolle Antwort auf die Tatsache sein, dass heute mehr als 40 % eines Altersjahrgangs studieren wollen. Sie können aber auch zu neuen Hierarchien und Abschottungen führen, die weder im Interesse der Studierenden noch der Lehrenden liegen.

Die Notwendigkeit einer regelmäßigen Evaluation ergibt sich bereits aus dem § 6 des Hochschulrahmengesetzes, welcher die regelmäßige Bewertung der Qualität der Lehre zwingend vorschreibt. Diese soll unter Mitwirkung der Studierenden erfolgen, und die Ergebnisse sind zu veröffentlichen. Die Kultusministerkonferenz hat sich mehrmals mit der Thematik befasst. Am 4.7.2008 legte der Wissenschaftsrat nach mehrmaliger Verschiebung „Empfehlungen zur Qualitätsverbesserung von Lehre und Studium“ vor.

Die GEW hat stets neben der materiellen Interessenvertretung im traditionellen Sinne auch die professionspolitischen Interessen der Beschäftigten in den Hochschulen und Forschungseinrichtungen aufgegriffen. Konkret hieß und heißt das hier, sich mit der Einführung der neuen konsekutiven Studiengänge auseinanderzusetzen. Die GEW hat sich mit Blick auf die internationalen Entwicklungen – Bachelor- und Masterstudiengänge werden in allen Staaten eingeführt, die sich inzwischen am „Bologna-Prozess“ beteiligen – für diese Differenzierung des Studienangebots ausgesprochen, wenn grundsätzlich die Durchlässigkeit gewährleistet wird.
Die GEW begleitet die Studienstrukturreform kritisch und bereitet ihre Mitglieder rechtzeitig mit Hilfe von Werkstattgesprächen, Foren und auf den Wissenschaftskonferenzen darauf vor.

Daran anknüpfend ist es der GEW gelungen, VertreterInnen der Studierenden und der Berufspraxis in die Gremien zu bringen, die mit der Evaluation und Akkreditierung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge befasst sind. Gerd Köhler vertrat die Gewerkschaften ab 1998 mehrere Jahre im Akkreditierungsrat (AkRa). RepräsentantInnen auch der anderen DGB-Gewerkschaften sitzen in den Akkreditierungskommissionen der sechs arbeitenden Akkreditierungsagenturen. Um diese KollegInnen auf ihre Arbeit vorzubereiten, veranstaltet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zusammen mit der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) Schulungsseminare, an denen sich auch die GEW beteiligt.

Der GEW-Vorstandsbereich Hochschule und Forschung hatte in den 1990er Jahren eine GEW-Projektgruppe „Qualität – Evaluation – Akkreditierung“ (QuEAk) eingesetzt, die diese Aktivitäten unterstützte. Sie hat die GEW-Positionspapiere zu Fragen der Qualitätssicherung weiterentwickelt und auch die international vergleichende Studie „Accreditation in the Framework of Evaluation Activities in Europe“ (MatHoFo 105) mit vorbereitet und ausgewertet. Aus der Arbeit der GEW-Projektgruppe ist schließlich das 2005 erschienene Handbuch „Akkreditierung“ entstanden, das von Falk Bretschneider und Johannes Wildt herausgegeben wird. Am 21. Juni 2008 beschloss der GEW-Hauptvorstand das Positionspapier „Die Lehre in den Mittelpunkt - Bildungsgewerkschaft GEW fordert Qualitätsoffensive für gute Hochschullehre“ mit den folgenden Punkten:

  • Mehr Geld für die Lehre – Bildung ist Zukunftsinvestition
  • Exzellente Lehre für alle – Öffnung statt Abschottung der Hochschulen
  • Studierende ins Zentrum – auf Augenhöhe mit den Lehrenden
  • Hochschule neu erfinden – innovative Lehr- und Lernformen fördern
  • Studierbarkeit und Studierfreiheit sichern – Kurswechsel im Bologna-Prozess
  • „Du bist Expertin, du bist Experte“ – Studienreform und Qualitätssicherung als Aushandlungsprozess
  • Kritische Praxisorientierung statt „employability“ – umfassende Berufsbefähigung
  • Lehren kann man lernen – Gute Lehre ist ein Job für Profis
  • Keine Lehre ohne Forschung – Lehrprofessuren und Lecturer sind der falsche Weg
  • Gute Lehre und gute Arbeit – zwei Seiten einer Medaille
  • Gute Lehre muss sich lohnen – für eine Deutsche Lehrgemeinschaft

Das im Vorfeld der Wissenschaftsratsempfehlungen zur Lehre veröffentlichte Papier fand große Aufmerksamkeit.

In ihrem vom Gewerkschaftstag 2009 beschlossenen wissenschaftspolitischen Programm fordert die GEW, dass ein System der Qualitätsentwicklung einerseits ergebnisoffen, dynamisch und korrekturfähig ist und andererseits die Partizipation der an Lehre und Studium eines Studiengangs beteiligten Gruppen sowie der beruflichen und gesellschaftlichen Praxisfelder, auf die das Studium zielt, ermöglicht. Qualitätsentwicklung kann die Verantwortung von demokratisch legitimierten politischen Entscheidungsträgern und Hochschulgremien nicht ersetzen, sondern muss diese vor allem unterstützen.
Die GEW unterstützt die Förderung einer internen Evaluation von Lehre und Studium, die auf der gleichberechtigten Kooperation von Lehrenden und Lernenden basiert. Auf diese Weise können Lernziele und Studienprogramme ständig reflektiert und weiterentwickelt werden. Die aktive Beteiligung an der Studienreform sollte als Bestandteil des Studiums und als Leistungsnachweis anerkannt werden.

Im Rahmen der 5. GEW-Wissenschaftskonferenz wurde Anfang September 2011 ein im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung angefertigter Bericht von Ulf Banscherus mit dem Titel "Qualitätssicherung von Studium und Lehre in der hochschulpolitischen Auseinandersetzung – Über Stellvertreterdebatten, wechselseitige Blockaden und konzeptionelle Alternativen" vorgestellt.



Links

Bericht von der GEW-Wissenschaftskonferenz 2011


/ Bestellbare Materialien
(zum Thema: MatHoFo 110, 92, 91)


/ E&W 10/2008: Schwerpunkt Gute Lehre


A. Keller: Forschung ist nicht alles – Hochschulen würdigen pädagogische Arbeit zu wenig (E&W 1/2007)


// Akkreditierungsrat


// Deutscher Gewerkschaftsbund


// Gewerkschaftliches Gutachternetzwerk


// Hans-Böckler-Stiftung


KMK
// Ländergemeinsame Strukturvorgaben gemäß § 9 Abs. 2 HRG für die Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen (Beschluss vom 10.10.2003 id.F. vom 4.2.2010)


KMK
// Qualitätssicherung in der Lehre (Beschluss 22.9.2005)


Wissenschaftsrat
// Empfehlungen zur Qualitätsverbesserung von Lehre und Studium (Juli 2008)

 


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